Anlässlich des UNO-Gipfels von Kopenhagen weisst die Gruppe 2D hin auf einen Diskussionstermin des GegenStandpunkt Verlags zu dem Thema:
Die „drohende Klimakatastrophe“ und ihre politische Bewältigung
Am 26.01 um 19:00 Uhr im Linkstreff „Georg Fröba“, Landgraf-Philipps-Anlage 32 (links gegenüber DGB-Haus), Darmstadt
1. Seit 30 Jahren erforscht die Wissenschaft den „Klimawandel“. Außer ein paar Lobbyisten von Energiemultis zweifelt niemand ernsthaft den Befund an: Die massive Erwärmung auf dem Globus schreitet rapide voran, überwiegend verursacht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, bei der CO2 freigesetzt wird. Die verheerenden Folgen des „Treibhauseffekts“ – von Hungerkatastrophen bis Landflutungen – sind keine Phantasien, sondern reale Perspektive und in manchen Weltgegenden schon eingetretene Lage. Lange hat das kaum jemanden interessiert, und Warnungen wurden als „unverantwortliche Panikmache“ abgetan.
2. Seit sich ein renommierter Ökonom mit dem Klimawandel befasst und dessen Folgen in Geld ausgerechnet hat, sieht die Sache ein wenig anders aus: Die ökonomischen Kosten, die mit einer ungebremsten Erderwärmung das Wachstum der mächtigen kapitalistischen Industrienationen belasten, haben Öffentlichkeit und Politik beeindruckt. Weil mit den katastrophalen Folgen die Geldbilanzen nationaler Wirtschaftsstandorte Schaden leiden, hat die Politik das Klima zu ihrem Thema gemacht. Als maßgebliches Opfer des Klimawandels gilt seitdem das von deutschen Unternehmen unter ausgiebiger Emission von „Treibhausgasen“ produzierte nationale Wachstum: 0,5% Wachstum jährlich soll der Klimawandel Deutschland kosten – von den Gewinneinbrüchen der Versicherungswirtschaft bis zu den Aufwendungen zur Abwehr der „Klimaflüchtlinge“.
3. Für die Politik ist damit der Anfang einer Reihe von „Herausforderungen“ gemacht, denen sie sich gestellt sieht. Sie betreibt Klimapolitik – bis hinauf zu höchsten diplomatischen Ebenen, auf denen die deutsche „Klimakanzlerin“ dem Rest der Staatenwelt die „globalen Dimensionen“ des Klimawandels vor Augen führt, und die „ehrgeizigen Reduktionsziele“ Deutschlands zur verbindlichen Maßgaben aller und insbesondere der großen „Klimasünder“ Amerika und China machen will. Dass es beim internationalen Streit der Staaten um die „richtige Klimapolitik“ irgendwie noch um die Abwendung der zerstörerischen Folgen des Klimawandels auf die ohnehin schon Elenden dieser Welt ginge, ist nicht zu sehen.
4. Dennoch hält sich – wie zuletzt in Kopenhagen – hartnäckig die Erwartung, die versammelten Staatsführer müssten ihrer Pflicht nachkommen und in einer weltweiten Rettungskoalition für eine gute „Klimazukunft“ zum Nutzen der Menschheit sorgen. Herausgekommen ist Enttäuschung. Dabei hat der deutsche Umweltminister in seiner öffentlichen Nachbereitung der „UNO-Konferenz“ einen deutlichen Hinweis gegeben, der nicht zur Verlängerung der Hoffnung auf die nächsten Etappen der Klimadiplomatie in Bonn und Mexiko taugt, sondern dazu, sich die Sache klar zu machen, um die es geht, wenn Merkel, Obama und Hu Jintao über „Klimaschutz“ entscheiden:
„In Kopenhagen haben wir ein Kapitel abgeschlossen, das des gutgemeinten Versuchs von Harmonie. Jetzt beginnt ein Ringen um Machtpositionen…Im Moment erleben wir Strukturlosigkeit, Ergebnislosigkeit, Handlungslosigkeit, ausgelöst durch die USA, die nach dem Thema Kapitalmärkte auch beim Thema Klima nicht in der Lage sind zu führen. Dies hat ein Machtvakuum erzeugt. Und wenn Macht vakant ist, gibt es andere, die an diese Stelle treten wollen.“ (SPIEGEL 53/2009)
Unverkennbar ist: Im Mittelpunkt der internationalen Klimapolitik steht die Konkurrenz um Führungsmacht der entscheidenden Staaten, und für ihre machtpolitische Rangfolge in der Welt scheint auch das „Thema Klima“ bestens geeignet.
Da ist doch die Frage interessant: Wie kommt es dazu – von den wissenschaftlich aufgedeckten, absehbaren und ziemlich katastrophalen Folgen des globalen Klimawandels zu einem Kampf auf klimadiplomatischem Parkett um Weisungs- und Durchsetzungsmacht, bei dem der Umweltminister schon eine „neue Weltordnung“ am Horizont aufziehen sieht!?
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Fred Kautz
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