2d empfiehlt: 27.06, „Kritik der Hirnforschung“ – Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken

„Kritik der Hirnforschung“
Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken
(Auf Einladung des AStAs der TU-Darmstadt)

Wann? 27.06 19:30
Wo? Altes Hauptgebäude der TU-Darmstadt (S103), Raum 121

Update: Die Aufnahme des Vortrags kann nun hier runtergeladen werden.

“Der Mensch ist der Sklave seines Gehirns!”,
behaupten Hirnforscher. -
Schon wieder eine Aufforderung an seinem Verstand zu zweifeln, statt ihn zu benutzen

In Philosophie, Verhaltenstheorie und vor allem in der Psychologie hat die Theorie Tradition, dass der Mensch ein Sklave seiner Natur sei. Instinkte und Triebe, genetisch determinierte Begabung und Intelligenz werden für das Handeln von Menschen verantwortlich gemacht. Auch die Behavioristen, die das Tun und Treiben als Reaktion auf äußere Reize deuten, die über eine “black box”, sprich: über das den Behavioristen in seinem Funktionieren unbekannte Gehirn gesteuert wird, gehört in diese Abteilung (falscher) deterministischer geisteswissenschaftlicher Theorien. Neuere Hirnforschung, bzw. besser: neue psychologische und philosophische Ausdeutungen von Ergebnissen der neurobiologischen und psychologischen Hirnforschung behaupten nun, das Innere der black box allmählich entschlüsseln zu können. Roth, Singer, Prinz und einige andere sind sich dabei in ihrem Urteil sicher, dass es so etwas wie den freien Willen des Menschen nicht gibt. Ihre Behauptung lautet: ;Der Mensch ist nicht der Herr seiner Handlungen. Vielmehr ist es das physiologische Gehirn, das sie ihm vorschreibt. Alle geistigen Prozesse lösen sich in Naturvorgänge auf, werden durch Naturgesetze bestimmt. So etwas wie Geist mit eigenständiger Qualität gibt es deswegen nicht. Kurz: in allem was Menschen treiben, sind sie durch die Natur des Gehirns determiniert. Der Mensch ist Sklave seines Gehirns.‘

Was Kritiker von Freuds Psychoanalyse, von Begabungstheorien oder behavioristischen Lerntheorien bisher für einen ziemlich schlagenden Einwand gehalten haben, dass in diesen Theorien der doch zweifellos vorhandene bewusste Wille des Menschen implizit geleugnet werde, geben die genannten Hirnphilosophen nun ganz explizit als ihre neuste Erkenntnis aus. Und sie erregen damit auch noch ziemliche Aufmerksamkeit; und zwar nicht nur in esoterischen (Wissenschafts-)Zirkeln. Neuerdings hat diese Abteilung der Hirnforschung die Pädagogik entdeckt – oder diese jene –, da von ihr neue bahnbrechende Erkenntnisse über das Lernen angekündigt werden. Strafrechtler klopfen sie fast ernsthaft auf ihre Konsequenzen hinsichtlich einer ganz neu zu stellenden Frage nach der Schuldfähigkeit des Menschen ab, Historiker verkünden, dass die Geschichte eventuell neu geschrieben bzw. gedacht werden müsse und selbst Theologen stehen dem “neuronal turn aufgeschlossen gegenüber”.

Irgendwie mag man es nicht recht glauben, was da in wissenschaftlicher Debatte abläuft. Es scheint sich erneut zu bewahrheiten, dass in den Geisteswissenschaften kein Gedanke zu absurd sein kann, als dass man nicht mit ihm reüssieren könnte.


6 Antworten auf „2d empfiehlt: 27.06, „Kritik der Hirnforschung“ – Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken“


  1. 1 Moccamann 22. Juni 2006 um 19:16 Uhr

    Hallo, könnte einer von euch Darmstädtern wohl den Vortrag von Freerk Huisken zum Thema Hirnforschung mitschneiden und online veröffentlichen bitte?
    Bei den einschlägigen Adressen (argudiss, farberot, etc.) gibt’s leider noch keinen einzigen Mitschnitt zu diesem Thema und ich würde die Argumente gerne auch nochmal als Vortrag hören!

    (Vom letzten Vortrag zu diesem Thema [München?] gab es nämlich leider ‚nur‘ eine Abschrift.)

    Gruß,
    Moccamann

  2. 2 lincoln 06. Juli 2006 um 22:25 Uhr

    Den Mittschnitt der Veranstaltung gibt es jetzt bei farbeRot

  3. 3 Frank 03. November 2007 um 23:36 Uhr

    Hallo Huisken,

    sie machen es sich sehr einfach.

    Nur weil ich weiss wie ich heisse,
    heisst dass noch lange nicht , dass ich mir meinen Namen
    aussuchen kann.

    Und ausserdem
    ist es bewiesen,
    dass es Arbeitslosigkeit nur deswegen gibt
    weil das das Bewusstsein darwinistisch darauf
    programmiert ist
    mit moeglichst geringem Aufwand
    einen maximalen Nutzen zu erzielen.

    Ihre „freiheitliche“ Theorie
    vom Willen
    ignoriert die Natur !
    (und somit die LebensVORAUSsetzung)

    lg
    Frank

  4. 4 Frank 03. November 2007 um 23:53 Uhr

    Hallo Freerk,

    ich heisse Frank und bin seit langem deutschsprechend.
    Es ist für mich immer wieder überraschend
    welche Wörter es gibt.

    reüssieren

    Was zum Teufel ist das?
    (und ich kann -selbstverständlich- nachschlagen)

    Es ist keineswegs von Bedeutung,
    dass ein Wort französischen Ursprungs ist.
    Nur- ich kann kein französisch-
    aber ich lese gern aber aufgrund beschränkter Sprachkenntnisse
    eben deutsch.

    lmaA
    Createur du mots nouveaux
    Fronsiuer

  5. 5 Frank 16. Juni 2008 um 0:17 Uhr

    Hallo liebe Hirnforscher,

    1 + 1 = 2

    Oder ?

    Eine Zahl (wie 1 oder 3 oder 2)
    ist eine Verallgemeinerung, eine Erklaerung
    von Mengen.

    Viele Voegel fliegen am Himmel.
    Soviele Voegel wie man z.B. Finger hat…
    Wieviele sind das ?
    Gestern waren es soviele, das beider Haende Finger
    nicht ausreichten diese Menge zu beschreiben … ?

    Ich bin wieviele.
    Ich und du sind wieviel.

    Und Schwupps 1.
    Der Name der Zahl ist willkürlich.
    Deren Symbol ebenfalls.

    I
    1
    |

    Und dann ist 1 + 1 = two

    Wenn aber, lt. Hirnforschung,
    der Gedanke vom Organ Gehirn gesteuert ist,
    wie kommen dann die unterschiedlichen Symbole,
    Sprachen zustande ?

    Woher dann die Freiheit im Ausdruck des Zeichens
    der natürlichen Vorschrift
    des Organs Gehirn ?

    Wenn daa Organ Hirn
    festlegt was man denken kann,
    was ist dann Wahnsinn?
    Was ist falsch oder was ist wahr.

    1 1 = beliebig ?

    Ja. -So- ist es für Hirnforscher.
    Alles egal.
    Und gerade deswegen wollen sie „es“ steuern, lenken.
    Ihr Interesse zielt auf die Beliebigkeit,
    die Freiheit des Denkens.
    Am Besten waere eine „Verkabelung“
    jedes Menschen.
    Wenn dann was „falsch“ laeuft, drueckt man einen Knopf
    und alles ist wieder gut.

    lg
    Frank

  1. 1 Glück, Hirn, Gene › Landschaft & Oekologie › SciLogs - Wissenschaftsblogs Pingback am 16. Oktober 2013 um 19:59 Uhr
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