Doktor Ratzingers neue Erkenntnis

Das wesentliche hatte zwar, wenn auch etwas “schroff”, bereits ein oströmischer Kaiser im 14. Jahrhundert gewusst, aber die wissenschaftlich fundierte Erläuterung blieb er schuldig. 700 Jahre lang! Also musste der diplomierte Sinnsucher mit Fachrichtung Katholizismus, Dr. Papst Ratzinger sich der Sache annehmen. Schließlich kann es so ein Mann der Wissenschaft nicht erdulden wenn Wissenslücken nicht geschlossen werden. Der dogmatische Sepp (via Mpunkt) hat ja nicht umsonst neben der Dreifaltigkeit auch die Philosophie studiert. Dort hatte es ihm (ausgerechnet!) vorallem der Logos (hier: die Vernunft) angetan, der kommt auch in der Bibel vor. Damit ist bewiesen das im Gegensatz zum Islam das Christentum auf Vernunft fußt, was wiederum erklärt warum der Moslem so ist wie ihn bereits ein Kaiser im 14. Jahrhundert leidvoll erfahren musste. Diese Erkenntnis tut laut Ratzinger “einen Scheideweg im Verständnis Gottes und so in der konkreten Verwirklichung von Religion auf, der uns heute ganz unmittelbar herausfordert” (Hervorhebung DD), ein dankenswerter Hinweis. Der Pope will also trotz rein wissenschaftlichem Interesse seiner Erkenntnis auch eine gewisse aktuelle Relevanz zugemessen wissen. Er ist ja schließlich nicht nur Wissenschaftler. Nicht das er da Mißverstanden wird!

Mit Einwänden von Geltungssüchtigen Fachkollegen muss ein Wissenschaflter immer rechnen. Ratzinger, nicht auf den Kopf gefallen, hat da vorgesorgt: “Ja, aber es gibt doch auch die Sure 2, 256 wo steht ‚Kein Zwang in Glaubenssachen‘” mag einer einwenden, “es ist eine der frühen Suren aus der Zeit, wie uns die Kenner sagen, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war” – kontert Ratzinger präventiv. Womit dann ja klar wäre das Mohammed, ganz Mensch, kaum Karriere gemacht, seine alten Ideale halt über Bord geworfen hat. Als ob das kein Kompliment ist! Und jetzt regt sich der islamische Mob mal wieder auf. Naja, q.e.d. (“Was zu beweisen war”) weiß die freie Presse da zu konstatieren, denn einmal die Ursache unterstellt ist die Wirkung ihr Beweis.

Die Presse ist überhaupt betroffen davon wie böswillig man den Papst missverstehen kann und reiht ihn gleich ein in die Reihe Mutiger, die sich mitten im christlichen Abendland trauen gegen den Islam zu hetzen: Carell, Rushdie, Ratzinger lautet die Liste jetzt. Das offenbart mal wieder die religiöse Entwurzelung des Westens, die der Papst deswegen neben dem Islam ja auch noch geißeln muss. Neben einem Carell oder schlimmer noch Rushdie will der Papst jedenfalls bestimmt nicht genannt sein. Aber das ist sie halt, die Religionsfreiheit der Nation sich die Idiotien des Papstes zunutze zu machen und nicht umgekehrt.

Ohne das ein ZK sie ausgegeben hätte lautete die redaktionelle Leitlinie in den Medien sogleich, darauf herumzureiten, die inkrementierte Stelle sei doch bloß ein Zitat gewesen. Für was es denn dann hat stehen sollen erfährt man nirgends, vermutlich hat der Doktor ganz einfach mal sinnfrei rumzitieren wollen. Weniger interessant sind auch die 2 Absätze danach in denen Ratzinger die Beobachtung des Kaisers auf ihre theologische Ursache (hier Vernunft dort nicht) zurückführt. Ganz wichtig hingegen ist das der Moslem die langweilige Rede dann noch zu Ende liest, denn sie könnte ihn interessieren. Jedenfalls darf er sich vorher nicht aufregen und danach aber auch nicht.

Den Widerspruch einerseits den Papst missverstanden zu wissen, er hätte doch nur dem Islam Respekt gezollt und wolle freundschaftlich diskutieren, andererseits ihn als Kritiker des Islams zu ehren, hält die Journaillie locker aus. Der Logos ist halt im Vatikan zu Hause. Wobei das jetzt doch bezweifelt werden muss. Das ewige Problem der Theodizee habe der Papst (noch) nicht gelöst verlauten kritische Stimmen. Und das mit dem Vater, Sohn und heiligem Geist in einer Person will den in Glaubenssachen weniger gefestigten Lohnschreibern auch nicht einleuchten, aber daran wirds dann wohl liegen. Seis drum, beim Islam hat er jedenfalls recht, der Papa Ratzi, dieser Mann der Wissenschaft.

Alle Zitate aus Ratzingers Regensburger Vorlesung vom 12.09.2006 welche hier nachgelesen werden kann.

Tipp: Eine Kritik des Christentums gibts hier. Die wesentlichen Argumente treffen für den Islam genauso zu, wie der aufmerksame Leser erkennen wird.

Tipp II: Falls der Kommentar nicht gelesen wird: http://www.gs-marburg.de/texte/2006-09-13derpapstinbayern.htm <-- ein aktueller Text anlässlich der Bayerntournee des katholischen Obermuftis.


2 Antworten auf „Doktor Ratzingers neue Erkenntnis“


  1. 1 willi 20. September 2006 um 14:17 Uhr

    Hier: http://www.gs-marburg.de/texte/2006-09-13derpapstinbayern.htm gibt es einen aktuellen Artikel zum Besuch von Ratze: „Der Papst auf Bayerntournee:
    Vom Inhalt und traurigen Nutzen des religiösen Wahns“

  1. 1 Der Teufel - ehrlicher als der Papst // Ideologiekritik Pingback am 13. Oktober 2006 um 17:54 Uhr
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